Veröffentlichung von ja vom 17.02.2009 in der Rubrik Liebe.
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Abendlied (nichts) Was macht Deinen Blick mir so schneidend? Er erkennt mich, nimmt mich Wahr, Und nimmt mir Wahrheit. Schneidet mich – und öffnet mich. Operation am offenen Herzen. Das ich Dir kitschig zuwürfe, Wenn Du es nicht schon hieltest.
An Deiner Haut tropfen Reste des Abends ab. Weil nichts bleibt, alles fließt, mag sein. Sei doch ruhig; Du meinst es nicht so. Nach Dämmerung entsteht neue Wahrheit. Schlafen wir drüber, fangen wir neu an, ja. Wie jede Nacht. Wie jeden Morgen. Und wieder summe ich das Abendlied.
Du lachst. Mondlose Nacht, sagst Du. Wir haben unsren Abstand so gewählt, dass die Augäpfel nicht zittern müssen, wenn wir uns betrachten. Kissen in den Wangen. Suche einen Punkt und konzentrier Dich auf ihn. Eine Locke liegt auf der Ohrmuschel auf. Schubse sie runter; das muss doch kitzeln.
Du erzählst und meine Müdigkeit hört mit. Und sie ist aufmerksamer als ich. Die Lider fallen zu, und doch sehe ich. Sternlein ist ein blödes Wort. Die Nachbarn haben Sex. Du sagst, ich solle lauter summen. Und ich dachte, ich sei still.
Ob Du mich nervst, ob ich denn zuhöre. Nein sage ich, und ja, wie immer. Und wünsche mir, wie immer, dass es immer wäre. Nichts schneidet mich wie Du. Nichts macht mir Mut wie Du, die Augen zu zu machen. Und die Seele auf.
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