Samstag, 30. August

Veröffentlichung von YX vom 08.11.2006 in der Rubrik Freiheit.

 

Samuel und die Hundeseele

Die Hand zu seiner Linken umbunden von festem Garn zieht er reissend den Keil über sein Auge. Glitzernder Kristall löst sich von der Wunde, tropft zu Boden und tätowiert die Dielen zu seinen Füßen mit prickelndem Kuss. Der Thron, den er sich zum Weib genommen, umschließt seine weite Erhebung; darin liegt seine Regung, trinkend von leidlicher Spitze. Die Wiege der Dämmerung, zwitscherndes Zwielicht umstreitet das Wanken, drängt Stolz in die Wunde und ein Sturm stellt mit seinen wehenden Lippen kühl das Formwort seines Namens.

Einkehrend in den tiefen Raum des Bewusstseins schält sich von ihm ab jeder Zweifel, an seinem Arm haftet Erlösung und sein Blick bringt das Erkennen. Nährung neigt nahtlos über in Nähe, wandelt tröstlicher Wärme sich um in Verschmelzung. Ihn erwartet die Freiheit mit lächelnden Augen, das Pochen zur Linken verstummt mit dem Schnitt und den Spiegel erblickend im Schacht seiner Seele, lauscht er dem Bluten und weiss um sein Glück.

 
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Linken Wunde   Schnitt   Verstummt  Pochen Spiegel  
 

Kommentare zum Text "Samuel und die Hundeseele":

YX
schreibt am
08.11.2006 (23:40 Uhr)

...'sch weiss, 'sch weiss...
wenig poetisch, dafür aber mal (von mir) ungewohnt positiv ^.^
...oder nicht oder was?!


 
XY
schreibt am
09.11.2006 (16:16 Uhr)

Positiv?!? Und das sagst du im Bezug zu einem Text über einen Fixer? Poetisch find' ich die Worte schon, nur ob sie positiv gewertet werden können...hm. KANNST du überhaupt positive Texte schreiben? Ich meine so richtig, mit Sonne drin und so.
-;D


 
YX
schreibt am
09.11.2006 (18:12 Uhr)

Der Schatten, der Schmerz, die Wut und das Blut
Bedingen das Licht erst und sind folglich gut
Hier kommt die Sonne, schwarz wie der Teer
Die Welt, wie sie IST und nicht, wie sie wär'

...ich hoffe, das beantwortet deine Frage. Obwohl ich mich doch schon wundern muss, dass ausgerechnet DU sie stellst, XY.


 
ja
schreibt am
09.11.2006 (18:54 Uhr)

o Muse, o Muse!
wow
Prosa
schön

den zweiten Teil des Satzes mit der Nährung verstehe ich gar nicht. Ich vermute ein fehlendes Wort oder einen Tippfehler.


 
YX
schreibt am
09.11.2006 (20:36 Uhr)

Die Nährung (in diesem Sinne das H für die Geistsuppe) weicht über in Verschmelzung bedeutet, dass von dem Aufegsogenen restlos ALLES absorbiert werden soll, ferner also kein Tippfehler ^.^ es geht weniger darum, sich aus einem Grundbedürfnis nach Frieden heraus zu befriedigen, als mehr darum, sich den Augenblick einer wahrhaftigen Eigentlichkeit zu vertiefen, denn NIX und NIEMAND müsste je mehr leiden in dieser Welt, wenn es das Glück und den Frohsinn in ihr nicht gäbe, ist doch so. Nicht oder?!?


 
ja
schreibt am
10.11.2006 (09:48 Uhr)
tief, dunkel!

Das Kunstwort Nährung, als Mischform von Nahrung, Nehrung und Näherung eben, irritierte mich nicht. Im Gegenteil gratuliere ich dazu! Nehrung als ein schmales Stück des Landes, das ins Meer reinragt, bzw. durchragt, überquert.
Mir ist nicht klar, was das Subjekt für "wandeln" ist für den zweiten Teil des Satzes, wegen des "tröstlicher". Soll es heißen, das eine (Nähe) tröste besser als das andere (Nährung)? Es neige erst über und wandle dann?
Dann: Heureka!
Philosophisch-Ästhetisch stimme ich dir nicht zu.
Ich glaube, dass glückliche Gefühlslagen wie Geborgenheit, nicht durch deren Mangel mitdefiniert sind. In der (erwachsenen) Welt der Begrifflichkeiten, die eher dialektisch-konstruiert ist, hättest du wohl recht. Mein Sie-Zyklus handelt, glaube ich, ein bisschen davon, o Muse.
Deine Werke handeln vom Abgetrenntsein von einer ursprünglichen Nähe. Hier stellst Du eine Nähe her. Ob das positiv ist? Nadel statt Liebe?
Geht jedenfalls (allenfalls?) unter die Haut.

Ich find's poetischer, wenn, wie hier, auf Zeilensprünge verzichtet wird, übrigens. Aber damit wären wir wieder bei Begrifflichkeiten wie "lyrisch", "poetisch", "Prosa".
Alles Schmu.

Manfred


 
YX
schreibt am
10.11.2006 (21:41 Uhr)

Das hast du richtig erkannt, Nadel statt Liebe trifft es haargenau, Kollege ja. Hier wird nicht auf die Nähe eines Artgenossen plädiert oder gar gehofft, die erwartete Liebe und das versprochene Land werden in einem selbst entdeckt und genau das ist das Glück, dass der Charakter des Samuel für sich zu definieren versteht. Das H wird in diesem Zusammenhang nicht als Ablenkung gebraucht, um der wirklichen Welt zu entfliehen, sondern - ganz im Gegenteil - um diese erst zu finden, es fungiert also quasi als ein Schlüssel für unterbewusste Portale. Ein Freikaufen von der Sehnsucht, so nennt XY das, aber eigentlich liegt sehr viel mehr darin, als diese laue Aussage in sich als Erklärung bereit hält.
Und was ist schon positiv zu bewerten? Ja, es ist positiv, wenn es als positiv von dem Betroffenen wahrgenommen wird; es ist wie z.B. "Geistesgestörtheit" eine pure Sache des Ansichtswinkels...und der lässt sich wechseln, wenn man weiss, wie man es anstellen muss!!!


 
su
schreibt am
11.11.2006 (14:21 Uhr)

wieder so ein text, den ich nicht mag. ich bleibe unsicher ob du ein verhalten romantisierst, welches ich, persönlich wohlgemerkt, zutiefst verurteile.
gruß su


 
YX
schreibt am
11.11.2006 (15:13 Uhr)

yup, das monopol für texte, die viele nicht mögen hab ich wohl gepachtet, haha. aber mal ernsthaft - ich kann mir sehr gut vorstellen, auf was für ein verhalten du ansprichst, mein text hat jedoch nicht viel damit anheim, einen solchen zustand von elend zu romantisieren oder dergleichen. hier geht es in in erster linie darum, dass drogen nicht ausschließlich für den eigenen seelischen abstieg und körperlichen zerfall eingenommen werden, sondern eben auch dazu verwendet werden können, um das bewusstsein zu vertiefen, zu erweitern. dass es menschen gibt, die damit nicht umgehen können, das weiss ich wohl, ist aber nicht thema dieses textes.

aber mal so am rande - woran ermisst sich denn deine verurteilung, die du als so zutiefst empfindest, sag mir. deine verurteilung sollte sich mehr auf die ursache beziehen, weniger auf ihre folgen, denn die bleiben nunmal nicht aus. es gibt immer einen grund, der die leute zu neurotikern werden lässt, allein von sich aus findet so etwas kaum statt, das solltest du vielleicht mal bedenken. nix für ungut.
hirnZ


 
ßi
schreibt am
04.03.2007 (17:29 Uhr)

muss zugeben, der erste text von dir, der mir ästhetisch, sogar ausgesprochen, gefällt. äußerst assoziativ (natürlich - unüberlesbar).

auf seine art ziemlich hart, düster, jedoch in gleißendem, ästhetischem licht beschrieben, das sich ein stückchien über die (nihilistische) thematik stellt, sie eben wortwörtlich in anderes licht rückt.

der erste teil ist mit deutlich mehr enthusiasmus geschrieben, stimmiger-unstimmiger, deshalb schöner in meinen augen.

jetzt hab ich auch raus, wieso das ende "glück" (schon rein klanglich) so stimmig, rund, geradezu glatt erscheint: passenderweise wegen dem unreinen reim auf "schnitt", der hier wohl die kante unter-über-bewusst geschnitten hat.

gruß

(pps: hab mir jetzt einfach mal die diskussion gespart...;)


 

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