Samstag, 30. August

Veröffentlichung von YX vom 08.01.2008 in der Rubrik Glauben. Letzte Änderung am 08.01.2008.

 

Am Tresen mit Gott

Zieh mal am Nagel meiner Kistenzagen
Flieh doch vor’m Hagel meiner Klagen
Für restriktiv’ Schwanken
brauchst du nicht danken
Kann dich ja noch tragen
An die Grenzbecherschar

Was starrst mein Kernbrot
Du aus Armen still an
Was harrst du der Lustnot
Im Atmensnachklang
Wo mein Gurkengesicht
Schlimme Schurken erbricht
Zieh ich Zweifel heran
Und zeig sie dir nicht

Trink aus, mein Gebieter
Ich werd’ dir zum Hüter
Wenn du nicht mehr steh’n kannst
Trag ich dich nach Haus’
Den Tanz der Gemüter
Trag ich dir gern aus
Nimm noch sieben Liter
Dann zieh’n wir herüber
Dann singt uns voll Graus
Laue Lust wieder Lieder

Hinter zehn Ecken wirst du endlich schwer
Kein Zweig zu verdecken bleibt in der Kehr
Und ich wandle aus Kisten mit Teufelsgeschrei
Deine Wahrheit entzwei und mich selber dann frei
Nicht weil du schlecht bist oder betrunken
Du weißt, was gerecht ist -

Das hat mir gestunken.

 
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Gott  Heimtücke Hinterlist Saufen Erkenntnis   Rache  
 

Kommentare zum Text "Am Tresen mit Gott":

ja
schreibt am
09.01.2008 (11:47 Uhr)
blasphemous rumours

sehr schön. Dionysisch geradezu. Manchmal muss man sich Gott schönsaufen. Ich glaube, dass die Aussicht auf Nüchternheit, auf Ernüchterung einem den Rausch mehr vermiest als der zu erwartende Kater.


 
YX
schreibt am
09.01.2008 (12:51 Uhr)

das hier hatte auch weniger mit gott selbst als mit der vorstellung der menschen von gott zu tun und bezieht sich letztlich darauf, dass der mensch selber sich als die übermacht versteht, die sich selbst ausrottet, weil sie sich erdreistet, gut und böse zu definieren und zu kategorisieren. das ganze läuft ab auf einer vollkommen realitätsentzogenen, berauschten ebene, auf der man sich noch selbst feiert, obschon es doch abgesehen vom eigenen untergang kaum noch was zu feiern gibt...

anonsten kann man das metaphorische (ganz ausnahmsweise^^) diesmal aber auch getrost ausblenden und sich genauso gut eine simple szene vorstellen, in der ein typ in der kneipe mit gott am tresen hockt, ihn dabei geschmeidig abfüllt und ihn anschließend kalt macht, weil er die gebote ("zehn ecken") nicht in sein verpisstes leben integriert kriegt.


 
ja
schreibt am
09.01.2008 (14:28 Uhr)

also, erzählst du hier eigentlich ganz genau dasselbe, was meine Gabi's-Bar-Texte erzählen. Man könnte sich höchstens die Frage stellen, wer wen abfüllt;-) Die Vorstellung, dass irgendjemand außer Menschen Gut und Böse definieren finde ich unlogisch wie nix zweites, Science-Fiction-Unsinn. Unsofern ist die Vorstellung von einem Gott, der das besser weiß als wir unlogisch. Man kann sich nix vorstellen, was man sich nicht vorstellen kann. ("There's nothing you canh think that can't be thunk.") Und untergehen tut die Menschheit ständig, immerzu -- und mit Freude. Rausch ist ein solcher Untergang. Der einzelne Mensch verkackt trostlos, die "Menschheit" ist ein konstruierter Biologismus. Und Gott ist nicht erst seit Nietzsche "tot". Der hats nur so schön gesagt...
Es lebe Gott. So sei es.


 

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