Samstag, 30. August

Veröffentlichung von XY vom 26.06.2006 in der Rubrik Schmerz.

 

Schweigen-Leiden-Schreiben

Tausend Male hab' ich den Schmerz umschrieben
In Worten von seiner Pein getränkt
Nichts als sie sind von ihm je verblieben
Bis auf das, was seiner Schmach gedenkt
Bitter brennt in mir das Schweigen
Hat mich das letzte Wort verlassen
Nichts bleibt dann mehr, aufzuschreiben
Nur bleibt, in Leere dankend zu hassen
Wenn des Wahnsinns Licht in mir erlischt
Und mein Leid an eigener Klarheit zerbricht
Lege ich mich nieder in kühlende Erde
Wo sich Dreck mit meinen Wunden mischt
Damit diesen Ort ich erneut finden werde
Entflieh' ich meinem Traum, doch erwache ich nicht
Ich verderbe! Ich sterbe! Zerfließe zu Nichts!
Wankend zergeh' ich zu Asche
So bin ich der Grund für den Kern neuen Lichts
Des Phönix' wahre und einzige Rache...bin ich
Und neue Worte entsteigen dem qualvollen Leiden
Sie aufzuschreiben, geheißt mir der Schmerz
Immer wieder wird er sich für mich entscheiden
Und geißelnd wärmt er mein Herz
Und ich glaube an das Wort in mir
Selbst, wenn's der Stille Namen trägt
Ich küsse am Abgrund das heilige Tier
Dessen Wohlklang in mir nie vergeht
Und ein weiteres Mal halt' ich mich an das Brennen
Den Ansturm der Qual auf mein stummes Erkennen
Und ich möchte verweilen, doch es reisst mich hinfort
Kein letztes Wort wird mir enteilen
Doch solang Stumpfsinn und Tod mich nicht ereilen
Kann keine Stille mich vom Worte teilen
Und ich werd' in seinem Orte bleiben
Es mal leben und dann niederschreiben
Nichts kann diesen Wahnsinn heilen
An dieser Wahrheit werd' ich ewig leiden.

Schweigen, Schreien, Schreiben, Stille -
Mein Zwang lässt die Feder nicht ruh'n
Immerzu mein Sinn und Wille
Ich kann nichts dagegen tun!
Nur hin und wieder halte ich inne
Blicke auf von den stummen Zeilen
Lausche kurz der Schatten finst'ren Stimme
Und weiss, welche Mächte in mir verweilen
Und ich schreibe sie nieder, damit sie vergehen
Schweige leidend weiter, um sie wieder zu sehen
Für alle Zeit, die mir noch bleibt
Bis an das Ende meiner Ewigkeit!

 
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Stille   Bleibt   Leiden   Schweigen  Verweilen Nieder  
 

Kommentare zum Text "Schweigen-Leiden-Schreiben":

hannah
schreibt am
26.06.2006 (12:55 Uhr)

es mag sein, oder nicht, wahrheit was du sprichst, aber gibt es deiner meinung nach auch eine andere möglichkeit außer der apokalypse? auch die "ich"bezogenheit, das ich als lyrisches mittel, macht mich nachdenklich..


 
XY
schreibt am
26.06.2006 (13:10 Uhr)

Der Möglichkeiten sind es doch so unzählbar viele, hinauslaufen tun sie alle denn einst auf die Apokalypse und das liegt universell betrachtet nicht einmal in unserer Hand... Diese "Ich-Bezogenheit" in meinen Texten soll ja nun auch zum Nachdenken anregen, soll bewirken, dass dir beim Lesen wohl möglich eine Spur der Identifikation durch den Sinn schreitet. Sollte dies nicht eintreten, dann lebst du deine Wahrheit halt unter anderen Aspekten; das würde ICH allerdings nicht als Form der Selbstsucht bezeichnen. Du verstehst?!


 
hannah
schreibt am
26.06.2006 (14:15 Uhr)

weisst du, ich bin der meinung, dass die "eine" wahrheit nicht existiert und auch wenn das alter kaum eine rolle spielt, ist es doch nicht unwichtig, was lebenserfahrung ausmacht, auch die distanz zum erlebten und eigenen sichtweisen ist dabei von bedeutung... und trotzdem, da ich schon ein paar jahre mehr zähle, bin ich immer wieder auf der suche, revidiere und lasse mich begeistern, denn letzlich sind es oft nicht worte, sondern taten die einen menschen zum menschen machen...


 
سئ
schreibt am
26.06.2006 (15:07 Uhr)

also, prinzipiell einmal, die ich-bezogenheit deiner texte subjektiviert all deine schilderungen. somit finde ich sie gewissermaßen sogar gut, denn sie ist damit auch aufrichtig. es gibt keine objektive sicht auf die dinge, und das "ich" kann immer nur seine sicht darstelen, kann an und für sich also gar nicht den anspruch erheben, objektives zu vermitteln. von daher stört mich - lyrisch betrachtet - dieses omnipräsente "ich", weil es immer arg unnreflektiert wirkt, unfähig von eigenem erlebten zu abstrahieren und eine sicht einzunehmen, die oberhalb des unmittelbar und persönlich erlebten und erfahrenen liegt. aber es erhebt halt von seiner anlage her eben auch nicht diesen anspruch. bei mir findet zumindest keine identifikation statt. ich habe stetig nur den eindruch, manifeste des weltschmerzes zu lesen, die mir stetitg ein leiden an vage umrissenem schildern und apokalyptische ausgänge drohend an die wand malen. dazu kommt, daß viele deiner texte mit ihrer apokalypsenbeschwörung mir einen zu deutlich religiösen bezug aufweisen, und ich glaube nun einmal nicht daran, daß eines tages ein paar reiter kommen und tod und pestilenz verbreiten.. die welt bietet definitiv hinreichen anlaß für weltschmerz, aber die gründe dafür, und auch die perspektiven, sind doch weitaus manigfaltiger als das, was du konsequent schilderst.


 
XY
schreibt am
26.06.2006 (15:12 Uhr)

Da interessiert mich nun aber ehrlich mal, was dich zu dem Schluss geführt haben mag, dass die eine Wahrheit nicht existiert...Für mich ist es IMMER erst der Abstand zu den Dingen, der mir den nötigen Raum bietet, über sie mein Urteil bilden zu können, das betrifft sowohl meine Eindrücke als auch meinen persönlichen Standpunkt zu diesen. Tja, und meiner Meinung nach sind es letztendlich oft allzu SCHLECHTE Taten, die den Menschen zu dem machen, was er ist...und so fungieren meine Texte auch als eine Art Metapher für die Schuld, die mir anheim ist für das, was ich selber gezwungen bin, zu sein. Aber soweit wollen viele nicht gehen, weil diese Wahrheit viel zu unbequem ist, nicht oder?! Um's bildhaft zu verdeutlichen: "Warum sollte man sich auch über den Himmel Gedanken machen, wenn man auf der Erde schon nicht zurecht kommt?!"


 
سئ
schreibt am
26.06.2006 (15:34 Uhr)

oh, sehr altruistisch von dir, für die schlechtigkeit des menschen zu leiden. aber der haken ist, du bist nicht schlecht, weil du mensch bist, sondern weil auch du menschlich handelst. zumindest unterstelle ich das. den objektivismus-streit hier neu aufzurollen, habe ich nur wenig interesse, so daß ich die frage nach meiner erkenntnis einfach mal übergehe. keine objektive wahrheit ist sozusagen mein a priori. aber du darfst mir gerne erläutern, wie für dich die universell gültige wahrheit aussieht, und wenn du es schaffst, ohne daß das wort gott (oder äquivalente) darin vorkommt, werde ich es sogar lesen.


 
XY
schreibt am
26.06.2006 (15:55 Uhr)

Der Kommentar von 15:12 Uhr bezog sich natürlich auf die Aussagen von hannah. Was den Text von .. dazu anbelangt - nun, ich weiss nicht, was genau dich dazu veranlasst, meinen dargebrachten Zeilen irgendeinen religiösen Bezug zuzuschreiben. Ich glaube, dass das, was ich zum Ausdruck bringen will, nur wenig mit der Bibel zu tun hat, zumindest nichts mit ihrer Kernaussage. Die Dunkelheit meiner Worte verfolgte jedoch auch niemals die Absicht, irgendjemanden in fröhliche Stimmung zu bringen und ich WEISS ja, dass ich damit in meinem unmittelbaren Umfeld nur schwerlich irgendwelche Pluspunkte erziele, aber darauf kommt es mir auch gar nicht an. Wenn da irgendwo irgendwer sitzt, der die emotionale Schwere meiner Worte nachempfinden kann, dann hat meine Präsenz auf diesen Seiten ihren Sinn auch schon gefunden (auch ohne den passenden Kommentar dazu)...Zumindest im Bezug auf diese Texte; ich könnte ja auch anderes anders schreiben und damit andere dann anders erreichen...Doch ich glaube, diese apokalyptischen Ambitionen (die ich in jedes beliebige Gewand spinnen könnte) werden sich weitestgehend niemals aus meinen Werken verflüchtigen können, denn ein Ende ist immer offensichtlich und umso mehr inspiriert es mich, desto leidvollere Formen es annimmt, weil ich als humanoide Lebensform den Schmerz meiner Seele in der Eszenz meiner Kreativität verarbeite...

Nun aber genug all dieser Rechtfertigungsversuche. Ich sehe, dass sich in diesem Forum nur sehr wenige mit solchen Themen in dieser Weise befassen, also was soll's? Ich werd' sehen, dass ich das irgendwie anders verpackt kriege. Und alles wird gut-:)


 

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