Samstag, 30. August

Veröffentlichung von AT vom 24.02.2010 in der Rubrik Gesellschaft.

 

Frau Ledermann und ich Teil 1

Frau Ledermann und ich

Gedichte über eine Beziehung zwischen zwei Frauen Mitte Dreißig

 

Frau Ledermann ist eine Frau
Ganz so wie ich, doch nicht genau
Genauer schon als ich vielleicht
mir leider oft das Wasser reicht

 

Frau Ledermann ist wohlerzogen
Ist auch dem Kanzler stets gewogen
Frau Ledermann regt sich nicht auf
Frau Ledermann besteht darauf


Frau Ledermann hat früh gefreit
Und es bis heute nicht bereut
So lange sie das halt so sieht
So lange es nur recht geschieht

 

Sie raubt kein Feuer von Göttern
Sie läßt durch gar nichts sich erschüttern
Auch wenn sie Bildung einst besaß
Kein Adler ihre Leber fraß

 

Frau Ledermann trägt meistens grau
Und manchmal mutig sogar blau
Frau Ledermann mag keine Schrullen
Da schmiert sie lieber Fleischwurststullen

 

Frau Ledermann treibt´s nur im Dunkeln
Und hütet sich dabei zu munkeln
Frau Ledermann ist Sex ganz schnuppe
Da kocht sie lieber Linsensuppe

 

Sie hütet Kinder von allein
Und statt dem Steak gibt’s Hühnerklein
Frau Ledermann, ja, die kann sparen
Und nützliches für später wahren

 

Frau Ledermann mag Chaos nicht
auch keine Künstler, kein Gedicht

Veränderung ist überflüssig
Der ist sie wirklich überdrüssig

 

Frau Ledermann ist stets adrett
Frau Ledermann ist wirklich nett
Sie mag Gespräche unverbindlich
Und ist bei Ärger unempfindlich

 

Frau Ledermann ist wirklich weise
Und im Normalfall niemals leise
Ich höre ihre Stimme immer
Und schweigen tut sie wirklich nimmer

Wer sollte mir denn sonst auch sagen
Dass feine Frauen Strümpfe tragen
Dass ich zu alt für Narretein
Dass meine Handtasche zu klein
Dass mein Topf ist angebrannt
Und mein Gehirn gehört verbannt

Ich soll doch nur mal funktionieren
Mich endlich auch mal integrieren
Im grauen Moloch schnell verschwinden
Was muß ich mich denn selber finden?

 

Frau Ledermann hält mich oft auf
In meinem Künstlerlebenslauf
Sie ist so wie das Pflichtgefühl
Wohltemperiert und dennoch  kühl
Wenn sie auf meiner Brust mal sitzt
Krieg ich sie nicht mehr ausgeschwitzt

 

Frau Ledermann ist vollverschiefert
Frau Ledermann wird mitgeliefert
Frau Ledermann ist Alltag pur
Und jederfraus Realnatur

 

 
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Alltag   Kunst  Kritisch Grau
 

Kommentare zum Text "Frau Ledermann und ich Teil 1":

la
schreibt am
01.03.2010 (21:00 Uhr)
Da kann ich ...

...mit meinen Spülhänden nur Beifall klatschen.
Wie kamst du auf "Ledermann"?
Endlich hat dieses "Ding" in mir, das mich vom Schreiben abhält einen Namen =)
Thanx dafür!!!!

Ein Autorenkollege meinte vor langer Zeit mal zu mir:
"Mensch kannste nicht abhauen von zuhause und nur noch schreiben?"
Nein, Frau la will halt alles...weltberühmte Autorin werden und dazu das traute Familienleben...schon schizo sowas ;)
Das HERRliche politische Unwort "Vereinbarkeit"...ist da ganz DÄMlich wenig anwendbar.
Immer einen offenen Schlupfwinkel für dein Schreiberich wünsch ich dir
LG´s von der la

Um nun auch mal was zu kritisieren: in Zeile 13 hinkt dein schönes Reimschema...fehlt eine Silbe...aber auch nur da.

Mein Lieblingsvers:
"Auch wenn sie Bildung einst besaß
Kein Adler ihre Leber fraß"
Klasse!


 
AT
schreibt am
01.03.2010 (21:12 Uhr)
Dank Dir

Echt, mein Reimschema hinkt ?!
bei .. solange Sie das nur so sieht?
*hinguck* stimmt! Ups.

Ledermann kam von Ledernacken und Jedermann :)

Und wie Prometheus komme ich mir öfter mal vor, nur das iregndwie keiner mein Feuer will :)

Danke liebe LA und Dir einen geifernden Schweinehund der allen DÄMlichen Lederfrauen HERRLICH überlegen ist :)
Wir machen das schon, unsere Kinder werden älter und unsere Lyrik nur weiser :)


 
la
schreibt am
01.03.2010 (21:58 Uhr)
Nein,nein!

in der Zeile mit den Göttern ist nur ein Hinker, finde ich. Sonst singt es sich einfach wunderbar!

Danke für den Schweinehund! Er nimmt schon die Fährte auf um sich dann gemächlich in mir niederzulassen und fünf grade zu knabbern.

Pass gut auf dein Feuer auf, liebe AT!
Schau mal meinen Text "Um Himmels willen", dort fackel ich rum ;)

Ledernacken? Ich Hirn dachte gleich an Fensterleder...soviel zur Ledermann in mir...


 
AT
schreibt am
02.03.2010 (05:32 Uhr)
Öhm...

Den Text finde ich nicht, aber ich habe beim Stöbern schon gesehen, dass es sich lohnt. :)

Das mit dem Fensterleder ist gar nicht so weit hergeholt, Metaphorik ist ja gerne mal vielschichtig :)
Wie war das noch gleich, die Assoziationen beim Betrachten eines Kunstwerks haben mehr mit dem Betrachter als dem Künstler zu tun. Wahrscheinlich bin ich nicht aufs Fensterleder gekommen, weil Fensterputzen so ziemlich die einzige Hausarbeit ist, die ich gerne manche (der Aussicht wegen!)

Übrigens: Hätte einen spannenden Link. Kann ich nochmal deine Mailadresse haben?


 
la
schreibt am
03.03.2010 (06:53 Uhr)
Ups...

stimmt...dussel ich...das ist eines von den "Zelten".
Aber du kannst es dir auch vorgetragen anhören.
Am 14.3. lese ich ihn und noch drei andere Texte in Essen...gemeinsam mit noch fünf Frauen von der AV...schau mal diesen Link: http://www.vhs-essen.de/programm/163490_092_3.html
Freu mich schon drauf.

Nu aber ran an den Frühstückstisch...Akkordbroteschmieren ist angesagt...die Fenster bei mir müssen auch geputzt werden...komme doch mal auf einen Kaffee *verschlagen grins*


 

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