Kabaret - politisch unkorrekter Traum
Politisch unkorrekter Traum
Ein viel zu langer Arbeitstag. Ich bin hundemüde. Schlafengehen, nicht mehr reden. Essen wäre schön, wenn es gemacht wäre. Schneller, bleierner Schlaf:
Ich gehe über einen Platz an einem Gebäude vorbei. Dieses Gebäude scheint nur aus dunklem Spiegelglas zu bestehen. Ich sehe mich vorbeigehen. Ich sehe gut aus, bin aber etwas gealtert. Kurze graue Haare. Mein Anzug sitzt perfekt. Ich liebe es dezent. Nicht aufdringlich, angeberisch wie ein Wichtigtuer. Manchmal träumte ich davon im Rampenlicht zu stehen, gefeiert zu werden. Aber ich weiß auch, daß ich eigentlich nicht so der Typ dafür bin. Ich beneide Leute, die im Rampenlicht stehen, will aber nicht ihre Anstrengungen teilen. Daher habe ich mich für die ruhige Rolle entschieden. Die graue Eminenz, die aus dem Hintergrund die Fäden zieht.
Meine Kontakte reichen in die höchsten Kreise. Ich meine damit nicht piefige Politiker, die anstrengend und extrovertiert sind. Sie nehmen sich so wichtig. Dabei sind sie nur Spätzünder und Versager, die es in unserer freien Wirtschaft zu nichts gebracht haben. Und jetzt machen sie uns hart arbeitenden Managern das Leben schwer. Aber manchmal sind sie auch nützlich. Sie können sogar hilfreich sein, können Träume wahr machen. Aber ich greife vor.
Ich verdiene gut. Natürlich bekomme ich nicht soviel, wie ich verdiene. Ich bin zu ruhig, gebe zu schnell nach. Aber ich bin gut. Und ich verdiene gut. Aber, ich muß auch sehen wo ich bleibe, wo ich das herbekomme, was man mir vorenthält. Schließlich bin ich wichtig für Deutschland. Ich leiste viel und viele haben etwas davon. Ich gebe Sicherheit, Wohlstand. Jedenfalls für die Fleissigen. In unserer Firma haben wir zulange nachgegeben. Wir sind bei der 35-Stunden-Woche. So wie die Arbeiter hier arbeiten will ich mal Urlaub machen. Naja, und da gönne ich mir mal was, auf Firmenkosten, ohne daß es einer ... naja eben der Teil, den man mir vorenthält.
Ich liebe Frauen. Ich liebe sie so sehr, daß mir eine nicht reicht. Außerdem bin ich ja weltoffen. Brasilien ist ein schönes Land. Schöne Frauen. Natürlich irgendwie und wild. Da wird man erst richtig zum Mann. Irgenwie eine kolloniale Erfahrung. Und als sich so eine Raubkatze an mir festgesaugt hat, kommt in mir tiefe Dankbarkeit auf. Ich will etwas für diese wunderbaren Frauen tun, die bereit sind zu arbeiten und sich nicht ihrer Armut ergeben und einfach nur Geld von ihrem Land haben wollen.
Diese Frauen müssen belohnt werden. Andere sollen einen Anreiz bekommen ihrem Beispiel zu folgen und es sich nicht in der Versorgungsmentalität gemütlich machen. Prostitution gibt es doch schon immer. Und jetzt haben wir endlich die Gesetzte, die es ermöglichen sogar einen Arbeitsvertrag zu bekommen, als Unterhaltungsdame. Alles legal. Ist doch zumutbar. Das darf man ja immer nicht sagen. Da wird man gleich beschimpft. Dann muß man eben Fakten schaffen, die nichts direkt sagen aber Verhalten belohnen. Warum soll diese schöne Gazelle arbeiten gehen und weniger dafür bekommen, als die Leistungsverweiger, die sich schön ins soziale Netz fallen lassen?
Und da war mal ein Politiker, der recht hilfreich war. Als Mann der Wirtschaft darf ich ja leider keine Gesetze machen. Das wäre besser. Wir sind einfach, praktisch, erfolgorientiert. Wir würden Deutschland schon in Gang bekommen. Stattdessen zwingt man uns mit politischen Mitteln die 35-Stunden-Woche auf. Grauenhaft. Jedenfalls hat man mich eingeladen zu helfen Grenzen in Deutschland zu ziehen. Endlich die staatlich unterstützte Faulheit der sechziger und siebziger zurückzudrehen. Und endlich konnte ich meiner schwarzen Perle etwas zurückgeben. Sie aufwerten.
Wer nichts macht, der bekommt nur das Allerwenigste. So wenig, daß er schon fast gezwungen ist zusätzlich Geld zu verdienen. Und wenn er einen Fehler macht, dann wird gleich noch was abgezogen. Dann werden die sich schon überlegen sich zu verweigern. Ich könnte eine gute Haushaltshilfe gebrauchen. Einen Butler hätte ich auch gerne. Aber die können ja heute nichts mehr. Wo soll man die herbekommen. Und dann wird man ja auch gleich wieder angefeindet als Ausbeuter und so. Dabei gibt man doch nur etwas ab. Spenden fürs Rote Kreuz? Wer weiß wo das hingeht. Nachher geht das nach Brasilien und meine schwarze Perle kommt nicht mehr zu mir, weil sie lieber faul zu Hause sitzt und dort ihr Selbstbewußtsein verliert. Hier bei mir, da kann ich ihr zeigen, wieviel sie wert ist. Sie ist jemand. Warum sollte man das gefährden und sie unglücklich machen? Das sollen die Deutschen erstmal lernen. Bei einem Butler oder meiner Maitresse, da kann ich die Unterstützung mit Aufwertung verbinden. Leistung gegen Geld. Keine Almosen.
Oh, ein intensives Gefühl holt mich aus meinen Gedanken. Gleich ist es so weit ..! Gleich, gleich, .... ein lautes Klingeln. Ich befinde mich in einer Zwischenwelt. Es mischt sich ein dunkler Raum mit verbrauchter Luft in meine Wahrnehmung. Halt! Ich will zurück, meine Phantasie festhalten. Doch sie scheint mir zu entgleiten. Noch einmal sehe ich schemenhaft eine farbige, junge Frau mit einem künstlichen Lächeln. Dann geht hinter ihr eine Tür auf. Ein kleiner blaßblonder Mann betritt forsch das Zimmer und fragt fordernd: ?Wer häts erfunde, hä? Los sag!?. Und in meinem Kopf formen sich die blödsinnigen Worte: ?Ricola?. Dann kehre ich mit einem letzten Schrillen klingeln in meine Wirklichkeit zurück.
Ich stütze mich schwer auf meine Arme. Booh! Wieder so ein Kacktraum von VW-Peter. Ich muß wohl mal zum Psych und rausfinden warum ich in letzter Zeit so verblödete Träume habe...