LSD-Fiktion
In einem schwummrigen Raum sitzend, und da stellte sich gleich die Frage an, wie denn ein Raum „schwummrig“ sein konnte, lockerten sich meine Gedankensprünge und verlockten mich gleichermaßen. Die Musik, die man hören konnte, also ich hörte, denn ich hatte mich allein in diesem Raum, was ja in erster Linie das Zimmer, in dem ich mich befand, mein Zimmer, beschreiben sollte, auf den Sessel in der Mitte platziert – ich verlor den Zusammenhang, den Zusammenhalt der Dinge – also diese Musik, dich ich hörte, ja ich konnte mich einer besseren Beschreibung nicht widersetzen, war LSD-getränkt. In ihrer fantastischen Art nahezu streng grafisch. Die Vorschrift, die Notation für Musik, kam es mir gleich, ist ebenfalls grafisch und nützlich, sichtbar umgesetzt. Der Rauch der Zigaretten, die ich rauchte, gab mehr und mehr den Geruch von gebratenen Hähnchen ab. Verstörend, wie ich feststellen sollte, da es mit der Dauer eher zu einem Eindruck von Gestank werden sollte. Die Ursache dieses verbrannten Fleischgeruchs taufte ich kurzerhand: Es waren die „Höllen-Hähnchen“, was meinen Unmut über dieses Phänomen zum Ausdruck bringen sollte, gegenüber wen auch immer, denn ich war schließlich allein.
Irgendwie war das Ganze ziemlich jazzy: Alleine Musik hören, wenn auch weniger zuhören, eher als Tableau für Vorstellungsreisen genommen, und rauchen. Eine intellektuelle Entspannung stellte sich ein. Und wie soll ich sagen? Ich wollte sie länger als Beschäftige behalten, diese Entspannung; sie schien gute Dienste zu leisten. Wie kann ein Sänger sich soviel Text merken, den er zudem in dramatischer Weise dem Publikum präsentieren soll? Woher weiß ein Autor um das Interesse für sein Geschriebenes? Wie kann ein Künstler die Wirkung seines Schaffens auf die Rezipienten abschätzen? Fragen, die ich nicht beantworten konnte, da selbst die Form der Antwort mir verschlossen blieb. Ich wusste nicht, wo ich ansetzen hätte sollen, kam auf keine Formulierung. Aber es kamen in mir diese Art von Fragen hoch, und das fand ich gut. Wahrnehmung, die Rezeption, da stockte mein Denken. Was alles Wahrnehmung sein kann! Sinneseindrücke, das was von außen kommt, Eigenwahrnehmung, also auch das Wahrnehmen des eigenen Denken und Fühlens. Wo ist da die Grenze? Und wenn das alles Wahrnehmung ist, wo ist da noch Platz für das Bewusstsein? Was nimmt hier was wahr? Und noch lange nicht gefragt, warum? Ist die Frage falsch gestellt, oder gibt es da am Ende gar keine Trennung mehr von Wahrnehmung und Bewusstsein, so sinnvoll sie auch sein mag? Denn: Ist mir die Tatsache dieser Fragestellung nun bewusst, oder nehme ich sie lediglich wahr? Es war interessant sich in solch großen Begriffen zu bewegen, doch Entspannung konnte man es nun wirklich nicht mehr nennen, es wahr eher ein Gefühl der Erschöpfung, was sich ausbreitete.
Es ist vielleicht nicht falsch solche Begriffe „groß“ zu nennen, doch fast schon nihilistisch, alles auf ein, zwei Begriffe zu reduzieren, war meine Meinung dazu. Gefühlt musste ich doch zugeben, das da noch mehr ist und sich mein Denken verengt hatte. Nun kam es mir esoterisch vor, in einer Weise wie von der Physik alle Materie als stehende Energiewellen beschrieben wird, und man nun schlussfolgert: Alles ist Energie, alles ist gleich, alles ist Liebe von mir aus. Dieses Gleiche kann man nicht mehr unterscheiden, so gesehen nicht mehr weiter teilen. Und Liebe kann nicht geteilt werden? Also kurz: Diese Alles-ist-Eins-Idee führte mich nicht weit. Es war auch alles so holprig miteinander verbunden. Was waren das für Kategorien, in denen ich dachte? Philosophie, Physik, Liebe, Sprache – und das alles zu einer Schlussfolgerung verpanschen? Ist das nicht falsch? Ich gestand mir trotzdem ein, dass wir Menschen so denken, so vorgehen. Menschen machen nun mal Fehler. Eine Weisheit? Vielleicht.
Es sollte sein jähes Ende finden, als es an der Tür klopfte. Warum klopfte derjenige, der Eintreten wollte? Die Tür ist nicht versperrt. Ist es Höflichkeit, will man mich nicht bei einer Sache ertappen? Denkt derjenige wohl, ich führe etwas im Schilde? Dann könnte derjenige doch hereinplatzen, dann würde derjenige auch sehen, was los ist hier im Zimmer. Will derjenige es nicht wissen, was gerade geschieht? Warum will derjenige dann überhaupt ins Zimmer? Ich schwieg vorerst, stellte dann fest, es ist schwer die Sprache wiederzufinden, sagte dann leise, zögerlich und nervös: „Herein.“ Die Erlaubnis war zugleich eine Frage.