Die Busfahrt
Frau Simmert, die stets im Einklang mit ihrer Welt war; wusste was falsch, was richtig war und nie mit Sachen konfrontiert war, die sie nicht wenigstens so gut verstand und begriff, dass sie für sie nicht wie ein Wunder wirkten, sollte eines morgens eine eigentümliche Erfahrung machen. Es war noch neblig, als sie den Weg zur Arbeit ging. Still, friedlich und kalt war der frühe Tag. Und so kam es ihr vor, als würden die Träume der Nacht noch anhalten, während sie durch ihre Siedlung ging. Am Rand der Siedlung war ein kleines Bushäuschen und dort wartete sie. Es war noch niemand dort, und wie Frau Simmert ihren Träumen nachhing, fiel ihr das garnicht auf.
Der Bus kam und hielt schnaufend und zischend an. Frau Simmert stieg hinten ein und verschwand in Gedanken wieder im Nebel und im Traum. Mit einem tierischen Schnauben zog der Bus an und fuhr hinunter, durchs Tal, zur Stadt. Nach einiger Zeit, im Wald, hielt der Bus wieder an und öffnete seine Türen. Frau Simmert saß hinten im Bus und schaute in den nebligen Wald hinein. Es verging ungefähr eine Minute, der Motor brummte und nichts geschah. Frau Simmert blickte zur Haltestelle - es war niemand da. Sie schaute durch den Bus - niemand war eingestiegen. Und gerade, als sie das Seltsame daran zu realisieren begann, senkte sich der Bus auf der Türseite nieder, wie wenn Alte oder Gehbehinderte einsteigen wollten. Verwundert blickte sie hektisch umher, da stoppte auch der Motor. Stille.
Frau Simmert stand nun mit fragendem Blick vorsichtig von ihrem Platz auf und lief den Gang zwischen den Sitzreihen vor zur Fahrerkabine. Sie wollte schon ihre Stimme erheben und sich erkundigen, warum der Bus nicht weiterfahre, da musste sie zu ihrem Erstaunen feststellen, dass dort auf dem Sitz des Fahrers niemand saß. Wo war der Fahrer hin? Frau Simmert stieg aus und schaute die Straße entlang - kein Verkehr. Sie wollte zurück in den Bus, um im Warmen auf einen Vorbeifahrenden zu warten, doch ihr Blick fiel ins Leere. Jetzt ist auch noch der Bus weg, dachte sie.
Als Frau Simmert nach einer dreiviertel Stunde Fußmarsch durch den Wald in die Stadt kam, war dort schon reger Betrieb. Sie kam zu spät zur Arbeit, doch nie verlor sie mehr ein Wort über diesen Morgen und die seltsame Busfahrt.