Vortrag
Wollen wir unsere Figur vorsichtshalber einmal nicht zu sehr chiffrieren, indem wir sie „Pappel-Laub“ nennen. Besser wäre schon „Zitter-Pappel-Laub“, der Einfachheit halber sagen wir zu ihr aber lieber: „Espenlaub“.
Während also sicherlich irgendwo ein Hund, nicht sichtbar und in einiger Entfernung und dennoch – wäre man an diesem Ort gewesen, dann gewiss auch hörbar – eine schräge Weise bellte. Während also das sicherlich irgendwo geschah, mühte sich Espenlaub, seine Stimme verständlich zu halten im stummen Gewitter einprasselnder Blicke, von hinten, von der Bar beginnend, bis vor zu ihm, zur Bühne. Sicherlich interessant anzusehen, so ein Häuflein Zittrigkeit, das aus sich eine Stimme herauskramte, die Sätze darbot, die, aufgrund von mehreren Einschüben von grammatikalischer Gefährlichkeit, trotz eingeübter Vortragsweise, die Zuhörer überforderte, indem sie ihnen keine Zeit zum zweifelsfreien Nachvollziehen gab. Espenlaub fuhr mit seinem Vortrag gegen eine Wand.
Der Hund gab wieder – irgendwo – Gas und jaulte Schrägstes. Und Espenlaub versuchte die Blätter ruhig zu halten. Zwar konnte er das Vorzutragende teilweise auswendig, dennoch hätte es etwas Sicherheit in den Vortrag gebracht, wenn die Blätter ruhig geblieben wären. Espenlaub zitterte trotzdem heftig im Sturm der Erwartungen.
Ja stirbt der Hund denn? Hätte man sich – irgendwo – fragen können. Eine Antwort blieb aus, und Unklarheit herrschte. Der Vortrag war beendet.