Safran macht den Kuchen gelb
»Tagtraum sei artig!«, sagte ich zu mir, denn ich glaubte von mir selbst gut erzogen zu sein und daher fügte ich auch noch ein »bitte« hinzu. Wie es so aufgluckste – das Träumen. Wie ein Duft hörte ich Stimmen, sah Gesichter, und wie auf einer abschüssigen Straße folgte ich Geschichten und Situationen. Klang war gedämpft, Farbe wässrig. Ich wusste, ich folgte vergangenen Dingen, dachte, ich käme mir selber näher. Mit einem Bild verglichen, überkam mich derartiger Zustand – oder sollte ich besser sagen, Vorgang? - wie ein Stoff, der von Wind getragen, wie eine Fahne vor dem Fenster, die den Blick mal hier, mal dort durchlasssen kann.
Mit gewisser Beklemmung musste ich eine Ohnmacht gegenüber dieser entzückenden Verwehung meines Geistes feststellen. Wohin mich diese Woge wohl trägt? Erst verführerisch wie zarte Musik, die leise von Weitem lockt, dann plötzlich schmetternd wie eine mit allen Registern gezogene Kirchenorgel. Ein Brodeln. Ein Glühen, ein Hämmern, ein Tanz.
Bin ich hier in so einer Art Märchenwelt gefangen? Gelb schimmernder Gilb. Dröhnende Ahnung, dass es die ganzen Helden am Ende doch noch erwischt! Die Lava lechzt nach ihrem Dasein. Der Tod ein weiteres Kapitel – mitten im Buch, das die Träume zusammenfasst. Träume wie sie in Hypnose versetzt auf der Couch sich entfesseln und verdichten. Stumme Augenzeugen unseres kleinen Spielchens hier. Wer soll da noch Hilfe erwarten? Wo doch ohnehin jeder der Künstler arm. Doch nicht arm der Kunst! Die Tränen des Jägers. Fleischlose Gestalten. Gestaltlose Fleischgewordene. Es zischt die Gunst der Zeit uns etwas vor. Schwebende Träne der Nächte der Zeiten der Uhren der Gefallenen der Kriege der Furcht der Helden der Zeit der Nacht. Unter Stöhnen stottere ich es euch! Wollt ihr hören? Wüsten im Regen. Schau doch einfach auf den anderen Gehsteig! Schau doch! Du siehst dich, der dort im Regen steht. Ja, du bist das, der dort seine Felder brach liegen lässt. Wüste, wo Safran blühen sollte. Wüste im Regen. Und doch bleibst du allein! Ja, du allein!
Na dann schaun wir halt den Wetterbericht! Oder wir lassen's uns im Internet anzeigen. Und? Bringt dir das die erhoffte Nähe? Bringt dir das das Gesuchte? Bringt dir das überhaupt etwas?
Ich werde hier ausgeraubt und muss auch noch tatenlos dem Besitzwechsel zusehen. Weiß hier einer, mit wieviel Gold man diese Seele aufwiegen sollte? Naja, euch kann's ja so ziemlich scheißegal sein. Hämmer ich mir halt einen weiteren Sargnagel rein und lass Zigarettenschachteln stangenweise im Müll verschwinden. Der Müll! Gut verschlossen im Safe. Sicherheit – ein Song den man stets gerne hört!
Ich weiß garnicht, wie oft ich in den Spiegel schaue. Ich seh da mich. Und zwar nur mich, wie ich einsam auf einem Boot davontreibe. Irgendwann werde ich auf dem Meeresgrund liegen und dann wird ein Gesicht erscheinen und eine Stimme wird sich erheben und mir sagen, dass keine einzige Welle jemals bestehen bleibt.
Geh raus! Atme den Frühling! Wollen wir die Sonne anbeten und jeden einzelnen ihrer Strahlen!
Aber mach das mal, wenn du gefangen bist!
Als wir kleine Kinder waren. Wie gerne wären wir auf Türme gestiegen. Wie gerne würde ich jetzt mal Überblick haben oder wenigstens wieder ein Kleinkind sein!
Unsere Stadt ist in meinem Kopf, so teuflisch das auch klingen mag.
Beten und auf irgendeine Form der Auferstehung warten.
Tagtraumartig. Bitte!