ohne Überschrift (Zugfahrt)Ich saß im Zug nach Mitternacht. Wenig Leute, im unteren Abteil viel Gerede, ich oben. Das Muster des Sitzbezugs, das ich anstarrte, war wie versteinert, in Stein gehauen, scharfkantig und uralt, aus einer anderen Zeit. So erschrak ich heftig, als der Schaffner kam und mein Ticket sehen wollte. Ich fand zuerst ein altes, abgelaufenes. Innerlich zitterte ich heftig, nach außen hin wirkte ich sicher nur unsicher. Da war es, das gesuchte Ticket! Glück quoll aus meinen großen Augen. Damit war es getan, was direkten Kontakt mit Menschen anging. Der Zug aber sollte noch unendlich und dennoch mit Hektik vollgepumpt durch die unendlich schwarze Nacht hindurchgrollen. Ich saß in Fahrtrichtung und aus ihr kam mir ein wirbelnder Sturm meiner eigenen Vergangenheit entgegengebraust. Ich atmete flach. Und das Bisschen Luft, das ich einsog, atmete ich in das Meer der tiefen Nacht hinein.
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Obwohl ich während des Lesens ehr abgeneigt war, sage ich jetzt: schön! Ein ruhiger verworrener Text. Das "wie versteinert" .. "in Stein gehauen" direkt hinter finde ich nicht gut.
So viel Stein in einem Satz.
Vorallem der letzte Satz hebt den Text enorm.
ach, CS, kann mich kaum zurückhalten.
Warum Dich schonen - nach uns'rer virtuellen Klopperei?
zunächst gefällst's; auch weiterhin.
Doch kann ich kleine Dinge dann nicht übersehn:
Kantig kannt' ich so noch nicht geschrieben.
Doch, weiter so, nur Mut!
denn
dass Bisschen hier ist großgeblieben,
das find' ich wied'rum gut.
sicherlich wäre sicherlich korrekter hier als sicher.
Ich vermute Absicht in der Wiederholung von Worten, oder deren Teile. (Auch unendlich so kurz nacheinander.) Ich meine aber, dass ich mir keiner Wirkung bewusst sei.
Sag' mal was dazu, Du.
Mich erheben die letzten drei Sätze. Äätsch, dp
Manfred
Kann's ja doch tausende von Male lesen - du findest immer etwas Fehlerhaftes am Ende, un-glaublich. Willste mein Lektor werden, du Lutsc***?
Der Text ist nunmal sau-fertig und für unendlich gibts auch nicht so viele Variationen. "Infinit" wäre zu hochgestochen und "ewig" zu sakral und nicht so bildlich wie "ohne Ende". Mit "endlos" liegt man schon so nah dran, da kann man gleich wieder "unendlich" draus machen. Außerdem schien mir das un-glaublich wichtig zu sein.
Ach, Mensch. (so nenne ich Dich fortan) Ein schreibender Freund sagt mir immer: "Ein Text ist nie fertig", obwohl ich ständig vom Gegenteil überzeugt bin. Ich glaube "sau-fertig" geht aber schon mal - für 'ne Weile.
mitfühlende Grüße
Manfred
Oh, wie lieb.
Der Text ist alt. Habe einfach keine Lust mehr den zu überarbeiten. Und so sau-fertig wie damals bin ich auch nicht mehr. Trotzdem danke für dein (hoffentlich nicht auf die Arbeit bezogenes) Mitgefühl!