Nach dem Tod
Das Himmelstor bot einen schönen Anblick. Goldener Bogen mit viel Zierat und fein säuberlichst verschnörkselten Püppchen darin eingewebt. Petrus grüßte einen lang ersehnt, überschwänglich und wohl wissend, was einen hinter dem Tore erwarten würde.
Wir traten ein ins Paradies. Engelsgestalten, wohin man nur sah, räkelten sich lenzend in einem himmelstorgoldhaften Sonnenlicht, das einen aber irgendwie auch blendete. Alsbald spürten wir einen Hauch lustartigen Durstes und so schlenderten wir, die Flügel auf unseren Rücken wippend, gemächlich auf den erstbesten Milchfluss zu. Zu unserer Enttäuschung war der Milch aber kein Honig beigemischt. Wir tranken also unsere Milch und waren erstaunt. So viele Farben, etwas kitschig anmutend, nachdem man sich daran gewöhnt hatte und – so viele Engel, faul wie man sah – sie flogen nur selten und wenn, dann nur kurze Strecken (so wie man es auf der Erde mit dem Schwimmen hielt). Nachdem wir uns vom Eingangsbereich ein wenig entfernt hatten, sahen wir, zu unserem Entsetzen, sogar Straßen, ja Autobahnen auf denen weltlichste Gefährte Mopeds, Autos, Busse und LKWs fuhren. Lärm, Hupen, Gestank. Ein Kiosk, an dem Harfen, billigster Qualität und ersichtliche Ladenhüter, feil geboten wurden. Dann die Höhe: Ein Schild verwies auf den Baum der Erkenntnis, der nichts weiter war als ein Busch, ein Grasgestrüpp!
Nach garnicht alzu langer Zeit kam ich schon wieder an den Randbereich des Paradieses. Von hier aus hatte man durch die Wolken einen schönen Blick auf die Erde, die sich dort unten gemütlich drehte. Fast schon wollte ich zurück auf diese alte Welt, doch konnte ich nun sogar, unter der Erde, einen Blick auf die Hölle erhaschen. Sie war rot, mit Schwarz durchsetzt. Ich war neugierig und so beschloss ich mit einem geschickten Sprung, der die Erde verfehlen sollte, in die Hölle zu fallen.
Die Erde rauschte wie geplant an mir vorbei und im nächsten Moment roch ich schon Schwefel. Dann gesellte sich auch noch eine erst angenehme Wärme dazu, die sich rasch zu einer ernstzunehmenden Hitze steigerte. Bald schon wurde es unerträglich und meine, mich eh etwas entstellenden, Engelsflügel verbrannten und kurz darauf sahen die Schwingen schwarz und ich wie ein Fledermausmann aus.
Schließlich platschte ich in ein abermals unerträglicheres hitzegefülltes Lavaglutmeer. Schreie, überall Schmerzensschreie. Wie ich fand etwas übertrieben, gewöhnte man sich doch recht rasch an das, in Wirklichkeit vielleicht auf 40°-50°C angeheizte, rot eingefärbte, nichtschwimmerflache Becken, welches umrandet war von papmachéartigen Vulkanen, die dem Hekla nicht annähernd den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hätten. Das war also die Hölle. Wieder so ein Flop.
Ich schwomm an den Rand und erklomm einen der putzigen Vulkane, die ich versucht bin Springbrunnen zu nennen, plätscherte aus ihnen doch die gleiche Tomatensoßen-Flüssigkeit. Meine insgeheime Vermutung wurde bestätigt: Schaute man in den Krater hinein, sah man das Nirwana; d.h. man sah eigentlich nicht viel, außer einem Discolicht-Wirrwarr, das wie ich mir sicher war das Nirwana darstellte.
Ich sprang hinein und – verlor mein Ich-Bewußtsein! Doch nein, wieder nur Trug! Man hatte bei meinem Ankommen einfach nur kurz die Beleuchtung abgeschaltet. Jetzt kam wieder das Stroboskoplicht (Frequenz 10-15 mal in der Sekunde), das sehr schnell abturnte.
Wieder dürstete es mich und so beschloss ich mir an der Bar eine Cola zu holen. In der Cola keine Zitrone...