Auf NachfragenSeine Panik blitzte nicht, wie man es annehmen könnte, in seinen Augen auf. Sie zeigte sich vielmehr in lethargischer Form. Ein wahres Häuflein Elend, kaum fähig, die Augen offen zu halten. Die Zuflucht im Halbschlaf suchend, seufzend und nicht mal klagend. Kraftlos kauerte er halb zugedeckt im Bett.
Oft hatte man ihn um Erklärung gebeten, wollte man wissen, was mit ihm sei. Dass er es selbst nicht wisse, nicht zur Klärung beitragen könne, meinte er dann kränklich ebensooft. Auf weiteres Nachfragen antwortete er, es müsse wohl etwas mit dem Sehen zu tun haben, er mache deswegen auch ungern die Augen auf. In trauriger Ratlosigkeit schrie man den Kranken daraufhin fast wütend an. Was er denn sehe, war die Frage. Er gestand stets, es sei ihm nicht möglich, es in Worte zu fassen. Was sollte man mit ihm machen? Schließlich fragte man, was man ihm Gutes tun könne. Darauf wusste er klar zu antworten: „Nichts.“ – Er erbat es förmlich. |
okey,
man könnte echt meinen du arbeitest in einer psychatrie, sich soetwas auszumahlen ist genial. In meinem Kopf ist aus dieser Kurzen Szene schon ein 120 minütiger Kinostreifen geworden.
Danke.
Diese Szene habe ich mir auch nicht ausgedacht. Nur zugespitzt niedergeschrieben. Ein guter Freund von mir leidet wirklich unter Panik-Attacken. Und reagiert dann ähnlich wie in dem Text, wenn er bei mir ist und "loslegt".
Ich wollte versuchen, meine sinnlose Fragerei, die dann stets einsetzt, für ihn als quälend darzustellen, ohne die Ich-Perspektive zu benutzen.
Ich finde den Text auch sehr gelungen. Danke dafür. Mir fällt nicht mal ein "aber" ein. Nur weiteres Lob:
Vorallem mit deinem Kommentar empfinde ich es äußerst befreiend hier ohne die bekannte "Ich"-Perspektive auszukommen, ja sogar zu erfahren das es sich hier um einen anderen Menschen dreht. Mehr davon!
...also, mir hätte eine Schilderung aus der Ich-Perspektive auch gut gefallen, denn dies hätte sodann auch den Aspekt des Aussenstehenden betont hervorgebracht...vielleicht hätte es die Fragen an den Betroffenen nicht mehr allzu sinnlos erscheinen lassen...
Aber so wie er ist gefällt mir dieser Text auch ausgesprochen gut. Trotz (oder auch gerade wegen) dieser Wortlosigkeit, nein, diesem Schweigen, dem so viel Wortreiches inne zu wohnen scheint. Grandiose Umsetzung-:)
Das freut mich wirklich.
Ich hatte Bedenken, der Text wäre ein grammatikalisches Ungeheuer und damit auch ungeheuer daneben. Noch hat sich sa nicht dazu geäußert. Bin mir nämlich nicht sicher, ob die Zeit der indirekten Rede immer passt.
an HirnZ: Ich musste mich wirklich dazu zwingen, nicht als Ich-Erzähler "aufzutreten". Hättest du lieber die Perspektive des Kranken oder die des/der Fragenden gehabt?
Selbstverständlich wäre mir ein gelungener Ausgleich der verschiedenen Perspektiven noch lieber gewesen - was natürlich nicht bedeutet, dass ich den Text, so wie er hier steht etwa einseitig finde, ganz und gar nicht sogar. Eigentlich ist er ganz gut so, wie er ist. Man muss ja nicht alles haargenau auf den Punkt bringen, man kann sich den ensprechenden Vorgang im Einzelnen (Kranker als auch Fragender) auch auf der vereinfachten Basis gut zu Geiste führen. Aber die Ich-Perspektive mit einzubeziehen hätte diesen Text gewiss auch nicht schlechter gemacht, vielleicht sogar noch eingängiger, ergreifender und projektierender.
musste sehr lachen, bei dem vorletzten (Gegen-)Kommentar.
Beruhigt, schreite ich nun daher und erteile mit weihevoller Geste grammatische Absolution.
Ich habe - das möchte ich deutlich machen - irgendwo auch schon zum Großschreiben geraten, wo die Dudenredaktion einfarbig Kleinschreibung empfahl.
Also, Ich-Perspektive wäre hier ein bisken dicke (anmaßend?) gewesen. Ich schätze das "man" -ganz unfeministisch- hier, und den Wechsel von direkter Rede und Gänsefüßchen.
super. "nichts ist gut, manchmal" fiel mir dazu ein.
[Kleiner Fehler: "Was sollte man mit ihm manchen?" Den hast Du doch nur für mich dringelassen, Du Schlingel]
Manfred
musste sehr lachen, bei dem vorletzten (Gegen-)Kommentar.
Beruhigt, schreite ich nun daher und erteile mit weihevoller Geste grammatische Absolution.
Ich habe - das möchte ich deutlich machen - irgendwo auch schon zum Großschreiben geraten, wo die Dudenredaktion einfarbig Kleinschreibung empfahl.
Also, Ich-Perspektive wäre hier ein bisken dicke (anmaßend?) gewesen. Ich schätze das "man" -ganz unfeministisch- hier, und den Wechsel von direkter Rede und Gänsefüßchen.
super. "nichts ist gut, manchmal" fiel mir dazu ein.
[Kleiner Fehler: "Was sollte man mit ihm manchen?" Den hast Du doch nur für mich dringelassen, Du Schlingel]
Manfred
Dankesehr, Herr Lehrer!
Werde das umgehend korrigieren.
Der Schlingel.