Ich mag die Straße nicht mehr sehen. Wie sie
unter mir sich stinkend windet, besonnt, be-
treten von fremden, beschusterten Füßen und
pfotigem Getier. Das Pflastergestein blendet
mich. Bis hier oben hin! Ich schaue drauf und
es schaut mir zurück. Ich fordere vielmehr
strömende Regenergüsse, damit die Leinen-
leute fortgehen. Und ihre kotenden Köter mit sich
nehmen. Wenn der graue Asphalt unter decken-
dem Himmel einsam fließende Muster glänzt,
dann kommt meine Zeit. Dann will ich nackend
mich dort unten wälzen, in den Rinnen der
reingespülten Straße suhlen, an den feuchten
Bäumen meinen krummen Rücken geradekratzen.
Meinen Speichel mit Regenschwaden vermengen,
noch bevor sie den Beton erreichen. Klatschen
sollen die Schauer auf meinen Bauch und meinen
Arsch. Ich trommle dem Rhythmus tanzend App-
laus, und wir springen zusammen über beharr-
liche Blechlatrinen. Und ich brüll mir die
Jahreszeit von der Brust, schwinge mich ver-
maledeit über flackernde Laternen auf meinen
gesüdeten Blumenbalkon zurück. Da unten das
blökende Urbanvieh weiß ja nicht, was ihm ent-
geht. [kynismós; Juni 2007]

http://www.myspace.com/manfred_aus_neukoelln