(Un)Gewiss(en)
"Nur dort, wo mein Gewissen sich verschwindend hinter mein Wesen schleicht, dass unter diesen Schichten ruht, erkenne ich die Lücke, die gefüllt werden muss. Drum füll ich sie mit neuer Schuld- Wie ein Schleier soll sich diese über den Verlust legen, Kalte Fassade gegen den Selbstverlust - oder gar bitteres Sein?- ...Bewusstsein....." Leise hallten ihre Schritte auf der menschenleeren Straße, die um diese Zeit wie ausgestorben wirkte. Das hatten Straßen, die eigentlich schon halbe Feldwege waren, an sich - besonders um fünf Uhr morgens. Selbst im Frühsommer, wenn es um diese Zeit bereits beinahe hell war, kam hier weder ein vereinzelter Fahrradfahrer oder Fußgänger noch ein Auto vorbei. Keiner hörte, wie sie leise immer wieder mit sich redete, möglicherweise das widerholte, was sie niemandem sagen konnte und wollte. Manchen Menschen sogar noch weniger als anderen. Aber die Leere dieser Straße schien ihr in diesem Moment so vertraut, wie ihr kein anderer Ort sein konnte. Sie würden fragen, wieso sie so gehandelt hatte, obwohl sie wusste, wie unrecht dies war. Sie würden sie rücksichtlos nennen und dann würde sie widersprechen - obwohl sie in ihrem Inneren genau wusste, dass dieser Widerspruch unberechtigt war. Andere wiederrum würden behaupten, dass das keine Rolle spiele. Nichts spiele eine Rolle, solange man in Diesem oder Jenem Moment glücklich gewesen ist. Das ließ sich nicht leugnen. Nicht mal in dem "Nachhinein", in das sie sich selbst hineingebracht hat. Doch dann dachte sie, dass all das nur ein weiteres Stück Seeleninhalt war. Seele frisst Gewissen. frisst Persönlichkeit. frisst jegliche Art von Vertrauenswürdigkeit. Ein feines Ziehen in ihrer Herzgegend ließ sie sich an einem Felsen niederlassen. Dieses Gefühl war auch in Jenem Moment da gewesen. In dem Moment, an dem es wohl besser wäre zu gehen. Doch das hatte sie ignoriert. Unter ihrem riesigen Deckmantel sammelte sich mehr Unrat, als auch nur jemand eranhen konnte. Dieser Berg wuchs immer mehr und mehr in ihr. Und wieder einmal wurde ihr zu spät bewusst, dass es nur ein weiterer Punkt war, der im Inneren nur sie schmerzte, aber die Kraft hätte, möglicherweise viel mehr in anderen anzurichten, wenn sich dieser nach außen wendete. Der Zeitpunkt war nur ungewiss.
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